Why I don´t like to call myself vegan anymore


Heute gibt es mal wieder einen etwas persönlicheren Beitrag, der mir schon seit längerer Zeit auf dem Herzen liegt und Klarheit in meine Gedanken zu dem Thema schaffen soll. Dementsprechend ist er auch deutlich länger als sonst geworden, aber bei solch einem komplexen Thema ist es wirklich schwer, alle Informationen kurz zu fassen. Und ich möchte mich auch gar nicht kurz fassen, denn es beschäftigt mich und viele anderen Leute sehr, weshalb es an der Zeit ist mehr darüber zu sprechen. 

Kennt ihr diese Tage, an denen euch einfach so viele Dinge durch den Kopf gehen und ihr das Bedürfnis habt diese Gedanken aufzuschreiben? Mir geht es sehr oft so und ganz gleich ob ich in meinem Bullet Journal oder hier auf dem Blog darüber spreche, was mich beschäftigt, habe ich das Gefühl, dass ich mich selbst besser kennenlernen kann. Außerdem stärkt es das Bewusstsein über meine eigenen Wünsche und Ziele. Viel zu oft machen wir uns über Gott und die Welt Gedanken, obwohl das absolut nicht notwendig ist. Womöglich liegt das einfach in unserer menschlichen Natur und was viel wichtiger ist, ist entsprechend damit umzugehen und sich nicht selbst in dem Gedankenchaos zu verlieren. Und glaubt mir, dort habe ich viel Zeit verbracht und verschwendet.

Ich möchte an dieser Stelle die Möglichkeit nutzen um über Veganismus - das wohl umstrittenste Thema der Gesellschaft und die aktuell damit verbundene negative Community zu sprechen. Deswegen beginnen wir doch einfach dort, wo alles angefangen hat. Social Media. Überall sehen wir unzählige, bunte Bilder von veganen oder veganisierten Gerichten und Variationen, die uns inspirieren einen Schritt in eine andere Richtung zu wagen, die unserer Zukunft und dem Klimawandel positiv entgegenkommt. Aber inwiefern betrifft es mich als Individuum? Es hat mich in vielerlei Hinsicht zum Nachdenken gebracht und meine Einstellung in diversen Punkten verändert. Aber worauf ich eigentlich hinaus will, sind nicht die hübschen Seiten an der Sache, sondern das, was sich in letzter Zeit verändert hat.

Bewusst geworden ist mir die plötzlich negative Wendung eigentlich erst nach dem Video von Bonny Rebecca, in dem sie über den Grund spricht, nicht mehr der veganen Ernährungsweise zu folgen. Innerhalb kürzester Zeit verbreitet sich das Video überall auf Social Media und jeder spricht darüber. Leider finden sich darunter sehr viele negative Kommentare, was gewissermaßen keine Überraschung ist. Ich persönlich verfolge Bonny Rebecca´s Vegan Journey schon seit einigen Jahren und sie zählt mitunter zu den YouTubern, die mich zur veganen Ernährung inspirierten. Irgendwann kamen von ihrer Seite keine Videos mehr und deshalb habe ich selbst gar nicht mehr darüber nachgedacht, als ihr Update veröffentlich wurde. Bei dem Video handelt es sich definitiv nicht um Clickbait, denn sie redet ehrlich über ihre Gründe, nicht mehr vegan zu sein. Zugegebenermaßen war ich zu Beginn überrascht, da ich nicht damit gerechnet habe, aber nachdem ich mir genau ihre Gründe anhörte, wuchs mein Verständnis für ihre Entscheidung und ich begann selbst einige Dinge zu überdenken. Um nicht zu sehr ins Detail zu gehen, da ihr euch das Video natürlich selbst anschauen könnt, möchte ich nur sagen, dass jeder von euch ihre Meinung akzeptieren sollte, denn es ist ihr Leben und nur sie weiß, was für sie der richtige Weg ist. Und das gilt für jeden Einzelnen. Ganz besonders wenn etwas klar deiner Gesundheit schadet, steht dein eigenes Wohl immer über allem. Nur weil eine andere Person sich mit veganer Ernährung gesundheitlich in einem top Zustand befindet, bedeutet das nicht, dass es für jeden so ist. Außerdem macht es mich einfach nur traurig, dass es in unserer Gesellschaft so schwer geworden ist, ehrlich über solche Themen zu sprechen, ohne Hass und Kritik zu bekommen. Für mich ist eine Person nicht weniger wert, nur weil sie einer anderen Ideologie oder Ethik folgt. Denn auch wenn man sich aus gesundheitlichen Gründen wie Bonny Rebecca nicht mehr komplett vegan ernähren kann, gibt es immer noch viele viele Dinge, die unseren Planeten und die Zukunft verbessern können. Deshalb kann ich es nicht anders ausdrücken: 

You Do You, that is all that matters.




Seit ich das Video gesehen habe, begann ich unbewusst immer mehr auf die Community zu achten, die sich zu ähnlichen Beiträgen und Videos äußert und konnte erneut feststellen, welche Wendung es mit der Zeit genommen hat. Natürlich findet man weiterhin verständnisvolle, liebenswerte Menschen auf Social Media, die sich gegenseitig inspirieren und austauschen, was mich persönlich unglaublich glücklich macht, aber leider ist das nicht immer der Fall. Wenn ich ganz bestimmte Kommentare auf den verschiedensten Social Media Plattformen sehe, stellen sich mir jedes Mal dieselben Fragen. Und das bezieht sich nicht nur auf die Veganer und Vegetarier, sondern natürlich auch auf alle anderen Bereiche, die mit den sozialen Netzwerken zusammenhängen. 

Warum musst du dieser Person sagen was sie zu tun hat?
Was bringt es mir als Person einem perfekten Image zu entsprechen? 




Wann hat es eigentlich angefangen, dass wir alles und jeden bevormunden müssen, obwohl uns deren Leben gar nicht betrifft und wir nicht wissen was in den jeweiligen Köpfen anderer Personen vorgeht. Man kann es einfach nicht oft genug sagen: Jeder Mensch ist vollkommen anders und deshalb haben diese Vergleiche überhaupt keinen Sinn. Natürlich ist es eine unglaublich tolle Sache, sich von Personen inspirieren zu lassen, die nach ihren Zielen streben und viel in ihrem Leben erreicht haben, aber manchmal bemerkt man vielleicht, dass diese Inspiration keine Inspiration mehr ist, sondern nur noch Neid. 

Vor ungefähr einem Jahr habe ich mich offiziell vor meinen Freunden, Klassenkameraden und Bekannten als Veganer vorgestellt und seitdem hat sich viel verändert, sowohl in meinem Umfeld, als auch bei bei meinem eigenen Bewusstsein zu dem Thema. Eigentlich bin ich schon seit vielen Jahren sehr interessiert an der veganen Ernährung und habe mich dementsprechend ziemlich damit beschäftigt. Anzumerken ist aber, dass ich mir zu dem Zeitpunkt noch nicht vorstellen konnte den kompletten Umstieg zu schaffen. Deshalb habe ich mich immer mehr über verschiedenste Medien informiert, darunter Dokumentationen wie Cowspiracy, 101 Reasons To Go Vegan oder einfach in diversen Artikeln, Büchern und Videos. Ganz langsam begonn ich also immer mehr pflanzenbasierte Lebensmittel zu konsumieren und habe schnell bemerkt, wie gut es mir, meinem Körper, Geist und Seele tut. Der langsame Umstieg war für mich gar nicht so schwer, da ich auch zuvor nicht so gerne Fleisch oder Käse gegessen habe, eher Fisch und Produkte, die (leider) Milch enthalten. 


Meine Begeisterung gegenüber der pflanzlichen Ernährungsweise wuchs stetig, ich fing an, immer mehr neue Rezepte auszuprobieren und entwickelte meine große Liebe für Hummus (weiterhin beständig und kein Ende in Sicht). Als ich dann vergangenen Sommer den Übergang zum kompletten Veganer geschafft hatte, war es gar keine Überraschung mehr, denn für mich wurde es schon vollkommen normal, keine tierischen Produkte zu konsumieren. Zu diesem Zeitpunkt habe ich wirklich sehr genau darauf geachtet, dass wirklich jedes Produkt, dass ich esse auch wirklich zu 100% vegan ist. Gesundheitlich gab es bei mir keine Probleme und ich fühlte mich so wohl und glücklich, wie nie zuvor mit meiner Entscheidung. Aber ihr fragt euch jetzt wahrscheinlich was sich dann geändert haben soll, wenn ich doch so zufrieden war. Naja, das hat viele verschiedene Gründe und ich versuche wirklich ehrlich mit euch zu sein.

Wie ihr alle wisst, ist keiner perfekt und ich möchte euch wirklich nicht vermitteln, dass ihr einem bestimmten Trend oder Image folgen sollt, das die Gesellschaft vorgibt. Absolut nicht. Ganz besonders als Veganer kommt man oft in Situationen, in denen man einfach Kompromisse machen muss und wie man mit diesen umgeht, ist bei jedem Menschen anders. Deshalb ein kleines Beispiel aus persönlicher Erfahrung. Wenn ich im Urlaub oder mit Freunden unterwegs bin und wir in ein Restaurant gehen, wo es absolut keine Alternativen für Veganer gibt, was macht man dann? Nun ja, da gibt es verschiedene Möglichkeiten...

1. Do not be afraid to ask 
Frage doch einfach den Kellner ganz genau nach den Inhaltsstoffen und ob man zwei oder drei Zutaten weglassen kann(mit dem Bewusstsein im Kopf, dass dies nicht möglich ist). In den meisten Fällen ist dies möglich und auch du brauchst absolut keine Angst vor der Reaktion haben, denn heutzutage ist dies keine Besonderheit mehr.

3. Plan ahead
Man sorgt vor, indem man sich online über das Restaurant informiert. Heutzutage hat fast jede Location eine Website mit dem Menü und gekennzeichneten Inhaltsstoffen. Das erleichtert so einiges.

4. Bring your own food
Bringe doch einfach dein eigenes Essen mit. So kannst du dir sicher sein, dass keine tierischen Inhaltsstoffe involviert sind und als Bonus musst du nicht auf das Essen warten.

5. Resist
Wenn sich wirklich keine andere Möglichkeit bietet und du absolut keine Abstriche machen möchtest, bleibt dir eigentlich nur noch die Möglichkeit ganz auf das Essen zu verzichten. 

Note: Diesen Punkt empfehle ich absolut niemanden und bitte hungert nicht, nur weil es keine Option gibt. Nobody is perfect! Unser Körper funktioniert nur, wenn er die Nährstoffe erhält, die er benötigt und deshalb ist es wichtig eine ausgewogene Ernährung zu haben!

Ich persönlich reagiere immer den Umständen entsprechend, manchmal bin ich vorbereitet und manchmal einfach nicht, denn das ist menschlich. In den Momenten, in denen ich unvorbereitet bin und nicht der nervige Kunde sein will, überlege ich mir einfach, was die für mich beste Variante ist und passe mich an. Beispielsweise esse ich beim Italiener einfach Nudeln oder eine Pizza ohne Käse. 


Besonders in den letzten Monaten, in denen ich viel gereist bin, habe ich nicht nur viele Eindrücke gesammelt, sondern auch mich selbst sehr verändert. Manchmal möchte man sich einfach ein Eis aus der Eisdiele gönnen und sich nicht im Anschluss den Kopf darüber zerbrechen, ob das nun ethisch vertretbar ist. Aktuell ernähre ich mich immer noch hauptsächlich vegan, aber wenn ich dann doch mal Lust auf ein Eis, Sushi oder Fisch habe, dann gönne ich es mir auch ohne mich dafür fertig zu machen. Natürlich gibt es immer Menschen, die dein Leben viel besser kennen als du selbst und genau wissen, was das richtige für dich ist, aber ich habe einfach angefangen, diese Kommentare sowohl auf Social Media und in meinem Umfeld auszublenden und einfach mein Ding durchzuziehen. Werde ich irgendwann zum all-time-Veganer, Vegetarier, Pescetanier, Flexitarier oder doch zum Fleischesser? Keine Ahnung. Was ich aber weiß ist, dass ich das tue, was ich und mein Körper für richtig halten. Nachhaltigkeit, Ernährung und die Zukunft unseres Planetens sind weiterhin Themen, die mich täglich beschäftigen und ich werde meinen Weg mit kleinen Schritten gehen um etwas zu verändern, mich selbst als Person weiterzuentwickeln und hoffentlich euch Leser, die es bis hierhin geschafft haben zu inspirieren, dasselbe zutun. Und mit diesen Worten verabschiede ich mich von euch und hoffe ihr konntet etwas aus diesem ewig langen Post mitnehmen.

Kirsten

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