Wie so oft habe ich mich lange davor gedrückt meine Gedanken zu den aktuellen Themen #blacklivesmatter und Covid-19 verbal auszudrücken und mit der Öffentlichkeit zu teilen. Und doch sitze ich hier an einem regnerischen Wochentag und schreibe über ein Problem, das nicht nur mich selbst, sondern gerade die ganze Welt beschäftigt.
Nachrichten lesen, im Informationsfluss untergehen und am Ende das Schweigen. Ein Verhalten, das besonders in den letzten Wochen problematisch wurde. Falls du dich selbst in diesen Worten wiederfinden kannst, dann möchte ich dir eins sagen: Du bist nicht allein. So vielen Menschen da draußen geht es ganz genauso, sie wissen nicht was sie tun sollen, haben Angst sich bei einem solch kontroversen Thema angreifbar zu machen und verfallen deshalb in den Selbstschutz. Und auch ich kann nicht von mir behaupten, dass ich dieses Verhalten nicht an den Tag gelegt habe. ABER und das ist der Punkt auf den ich hier hinaus möchte: Genau dieses Verhalten bringt uns in solchen Situationen heute und auch in der Zukunft, in der wir leben wollen nicht weiter.
2020 - The Year Of Changes
Als ich dieses lange Zitat auf Instagram gesehen habe, war ich direkt gefesselt von den Worten und der Wahrheit, die dahintersteckt. Das Jahr 2020 hat wie es so manche ausdrücken mögen, wirklich sehr viele Extreme, Wetterumschläge, COVID-19 und nun die #blacklivesmatter-Bewegung mit zahlreichen Demonstrationen mit sich gebracht. Auch ich habe zu Beginn des Jahres auf so viele Möglichkeiten, Veränderungen und Chancen gesetzt, die sich nun mehr oder weniger in Luft ausgelöst haben. Nichtsdestotrotz versuche ich auch das positive an der ganzen Sache zu sehen, denn solche Schicksalsschläge machen uns nicht nur bewusst, was wirklich zählt in unserem Leben, sondern geben uns auch Kraft und Mut, etwas zu verändern. Mir persönlich hat es auch bewusst gemacht, dass ich bei wichtigen Themen, die mich und meine Zukunft betreffen nicht mehr schweigen möchte. Als people pleaser versucht man immer der Konfrontation aus dem Weg zu gehen, aber wenn es um Themen wie Klimawandel und Politik geht, will auch ich meine Möglichkeiten nutzen und mich für das einsetzen, wofür ich stehe. Veränderung akzeptieren, dafür arbeiten und selbst zur Veränderung werden. Das ist das Ziel in 2020.

#blacklivesmatter
Ganz ehrlich, ich weiß gar nicht wo ich gerade anfangen soll. In den letzten Wochen ging alles so schnell und ich konnte nur mit dem Auge zucken, da kam bereits die nächste Welle an neuen Informationen und Hashtags zum Thema Rasissmus und den Polizeiangriffen in Amerika. Es bricht mir das Herz zu sehen, welche Normen oder Vorurteile weiterhin in unserer Gesellschaft existieren und den Alltag vieler Menschen beeinflussen.
Grundsätzlich möchte ich aber nochmal sagen, dass die ganze #blacklivesmatter Bewegung auf Social Media und in Form von Demonstrationen im Hinblick auf die vergangenen Ereignisse mehr als notwendig ist, aber nicht den wahren Kern des Problems behandelt. Auch wenn sehr viele Influencer Stellung nehmen, am Blackout Tuesday ein schwarzes Bild posten und ihrer Community zeigen, dass es sie beschäftigt, wird dieser Trend ganz bald wieder von einem anderen ersetzt. So traurig es klingt, das Thema ist nicht nur jetzt, sondern auch seit langer Zeit relevant und wird immer wieder vergessen. Umso mehr hoffe ich, dass sich durch diese Bewegung viel mehr Menschen intensiv mit dem Thema auseinandersetzen und sich selbst dazu weiterbilden.
Fragen stellen, Fehler machen #nosilence
Wenn ich mich vor einigen Wochen in einer Diskussion über Rassismus befand, hielt ich mich in dem meisten Fällen eher zurück, da ich nichts falsches sagen oder eine Person verletzen wollte. Rückblickend hätte ich es eigentlich nicht schlimmer machen können. Wenn mir diese Bewegung eines gezeigt hat, dann ist es die Fähigkeit Fragen zu stellen und Fehler zu machen, statt zu schweigen und nichts zu verändern. Natürlich sollte man in erster Linie bei sich selbst anfangen und das eigene Verhalten hinterfragen, aber an einem gewissen Punkt geht es nicht mehr weiter. Genau dann ist es Zeit, sich mit anderen in Kontakt zu setzen und ehrlich über das Thema Rassismus und #whiteprivilege zu sprechen. Der Satz "I understand that I will never understand, however I will stand" fasst es wirklich gut zusammen. Auch wenn wir nicht alles wissen, können wir uns für die Dinge einsetzen, die uns wichtig sind. Wenn es um Rassismus geht habe ich immer einen Schritt zurück gemacht, weil ich meiner Meinung nach nicht genug informiert war, aber das ist einfach so falsch. Anstatt mich davor zu verstecken, ist es viel wichtiger sich damit zu beschäftigen und in erster Linie darüber zu sprechen. Egal in welchem Umfeld man sich befindet und welche Reichweite man besitzt, es bietet sich immer die Chance das eigene Verhalten und das seiner Mitmenschen zu hinterfragen. Falls du also jemals in eine Situation kommst, in der deine Familie oder Freunde etwas rassistisches sagen, weise sie einfach freundlich daraufhin und komme ins Gespräch. In den meisten Fällen war es überhaupt nicht die Absicht rassistisch zu sein, aber falls doch kann man hier eine Chance für Veränderung schaffen.
Auch ich habe während dieser Bewegung wieder gefühlt meine ganze Existenz hinterfragt und nach Antworten auf mein heutiges Gesellschaftsbild gesucht. Denn eigentlich beginnt alles bereits in der Kindheit und dem Weltbild, mit dem man aufgewachsen ist. Glücklicherweise kann ich von mir behaupten, dass ich eine sehr anti-rassistische Erziehung erhalten habe, da meine Familie geschäftlich viel um die Welt gereist und dabei viele Kulturen kennengelernt hat. So vermittelten sie mir automatisch Weltoffenheit und das Gefühl, dass jeder Mensch gleich viel Wert ist, was mich bis heute geprägt hat.
Ganz tief verankert in meinen Erinnerungen an meine Kindheit ist die Zeit, in der ich mit Puppen gespielt habe. Dabei machte ich mir natürlich keine Gedanken, welche Hautfarbe diese trug. Aber wenn man mal darüber nachdenkt, dass die bekannte Babyborn lange Zeit nur in weißer Hautfarbe auf dem Markt erhältlich war, dann sieht man, dass sich das Thema Rassismus auch in jeglichen Bereichen sichtbar wird. Das was die Gesellschaft vorlebt, ist das was wir in unsere Köpfe eingebrannt bekommen. Und sind wir mal ehrlich, nur durch den Menschen selbst sind all diese Vorurteile wirklich entstanden. Kommen wir aber zurück zu meiner Erfahrung. Ohne von meinem eigenen Privileg oder Gesellschaftsnormen zu wissen, bekam ich irgendwann eine schwarze Babyborn, die ich im Endeffekt sogar zu meiner ersten weißen Babyborn bevorzugte. Natürlich könnte ich hier behaupten, dass ich bereits als Kind den Wert der Kulturen wertgeschätzt habe und deshalb die schwarze Babyborn mein Liebling wurde, aber nein, das war nicht der Fall. Als Kind hatte ich sichtlich keine Ahnung und Interesse an solchen Themen, was meiner Meinung nach auch vollkommen menschlich und natürlich ist. Das einzige was für mich zählte, war meine Intuition, die mir in diesem Moment sagte: Du bist meine Lieblingspuppe.
Ein weiteres Beispiel für unbewusste Formen des Rassismus findet man auch bei den weltweit bekannten Barbies. Auch diese sind für sehr lange Zeit nur in weißer Hautfarbe verkauft worden. Und auch ich kann nicht von mir behaupten, dass ich keine weiße Barbie besessen habe. Wenn ich zurückblicke, erinnere ich mich immer daran, wie ich mit meinen Barbies eigene Geschichten entwickelt habe und es liebte ihnen Leben durch verschiedene Outfits und Frisuren einzuhauchen. Mein Großvater, der in verschiedenen Ländern auf Geschäftsreise war, brachte mir als Geschenk Barbies aus verschiedenen Ländern mit. So besaß ich nicht nur eine klassische Barbie, sondern auch eine aus Indien und mit schwarzer Hautfarbe. Ob es für mich in diesem Moment einen Unterschied gemacht hat? Nicht wirklich, aber solch kleine Erlebnisse, prägen unser ganzes Leben und wie offen wir für andere Kulturen sind.
Natürlich habe ich mich auch gefragt: Was wäre, wenn ich diese Erfahrungen in meiner Kindheit gemacht hätte? Würde ich dann einen ganz anderen Blick auf mein Privileg als Weiße haben? Auf diese Frage werde ich keine klare Antwort finden können, denn alles was ich erlebt habe ist geschehen und lässt sich nicht mehr ändern. Ich bin dankbar, dass ich keine Erfahrungen mit Rassismus gemacht habe und versuche dennoch Verständnis zu haben für diejenigen, die täglich darunter leiden müssen. Aber auch wenn man Rassismus erfährt und selbst nicht betroffen ist, kann man etwas tun. Wenn ich irgendwann mal Kinder haben sollte, möchte ich ihnen nicht nur Geschichten von weißen Menschen erzählen, sondern auch Raum lassen für alle Hautfarben, Typen und Kulturen. Denn wie bereits erwähnt: Veränderung beginnt dort, wo wir uns auch mit schwierigen Themen befassen, Fragen stellen, andere Meinungen akzeptieren lernen und in erster Linie unser eigenes Handeln von Grund auf reflektieren.

Zwischen Abstand und Informationsfluss
Wie bereits erwähnt, habe ich mich wirklich lange davor gedrückt etwas zum Thema Rassismus und der aktuellen Bewegung zu sagen, was in gewisser Weise auch damit zutun hat, dass ich immer das Gefühl hatte nicht genug zu tun oder informiert zu sein. Während die einen auf den Straßen protestierten und andere Geld spendeten, hatte ich bisher nur meine Reichweite genutzt, um auf das Thema aufmerksam zu machen, was doch eigentlich der erste Schritt und somit positiv ist. Und doch fühlte ich mich nutzlos.Der Punkt, an dem ich endlich realisiert habe, dass jeder Schritt wertvoll ist, kam leider erst später. Und auch jetzt, wo ich einige Videos, Podcasts, Artikel und Dokumentationen gesehen und mich informiert habe, kann ich noch nicht zu hundert Prozent zugeben, dass ich mich nützlich fühle. Auf der einen Seite will man mehr tun, auf der anderen Seite kommt die Überforderung bei jedem Öffnen von Social Media. Wo fange ich an und wo höre ich auf?
Was ich wirklich jedem, der das gerade liest mitgeben möchte ist, dass man sich auch mal eine Pause von Social Media gönnen darf. Keiner verlangt von dir, immer aktiv zu sein, dich für das Gute einzusetzen und vorallem nicht perfekt zu sein. Wir alle lernen täglich dazu und entdecken Dinge, die uns vorher nicht bewusst waren. Ich persönlich versuche immer in jeder Situation beide Seiten zu sehen und mich auch mal auf einen #perspectivechange (Perspektivwechsel) einzulassen. Das gelingt nicht immer, aber kann viel in uns und dem meist schon fest verwachsenen Standpunkten bewegen.
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